Die Angst

Die Angst ist ein stehendes Gewässer von dunkelgrüner Farbe und unbekannter Tiefe. Ein Teich vielleicht oder ein Weiher. Seine Oberfläche ist undurchsichtig und still. Die spiegelnde Glätte wird von keiner Bewegung gestört; der Betrachter versteht sogleich: Alles ereignet sich unterhalb der Oberfläche, tief unten, womöglich am Grund. Falls es einen Grund gibt, denn bislang hat keiner ihn erreicht. Aber was passiert dort unten? Darüber wissen wir wenig, fast nichts. Nur soviel scheint gewiss: In einigen Hundert Metern Tiefe lebt eine einzige Kreatur und zieht dort seit Menschengedenken ihre Bahnen. Man geht davon aus, dass sie sehr hässlich ist, da sie in ewiger Nacht existiert. Tatsächlich hat niemand jemals den Kopf des Fisches gesehen; nicht nur, weil es bekanntlich stockfinster dort unten ist, sondern weil er stets davonschwimmt, stets weg vom Geängstigten. Die jähen Wellen verursacht von flinken Bewegungen im Dunkeln oder bloß die Ahnung der unheimlichen Präsenz irgendwo in dieser kalten und lichtlosen Weite verursachen blankes Entsetzen, blinde Panik: Auftauchen, nur sofort auftauchen! Die Tapfersten schwimmen ihm eine Weile nach, aus Neugier wohl oder verzweifelter Einsamkeit. Sie berichten von einer knorpeligen Schwanzflosse und einem knöchernen Rumpf, nicht größer als der eines Karpfens. Sein Kopf, wie gesagt, bleibt ein Geheimnis. Von zweien habe ich gehört, dass sie ihn vor einigen Jahren nach tagelanger Verfolgungsjagd und dem Ertrinken nahe gesehen haben wollen. Jedoch zu dem, was genau sie damals sahen, schweigen sie beharrlich.